Unbenannt

„Vielleicht besteht Schreiben darin, nicht schneller zu denken, als die Hand folgen kann, das Verhältnis beider zu meistern […]“, Barthes, Die Vorbereitung des Romans. Bei mir war es, obwohl ich bald lernte, schnell zu schreiben, immer ein Verhältnis. Dem ich irgendwann die Illusion eines Gusses gab, indem ich bestimmte Gedanken wie Musik immer wieder erneut dachte oder auch – und oft – einfror, kurz innehalten ließ, nur um es dann wieder losschnellen zu lassen, während die Hand noch das vorherig Gedachte schrieb. Oft gibt es dann so Zwei- oder Mehrreiher, an Gedanken, die teils gerade geschrieben, teils nur gedacht werden, die ich irgendwie schön finde, und die ich bildlich vor mir sehe, als hätte ich sie im Kopf bereits getippt. Alles gut somit. Ach, und es gibt Raffungen. Ich raffe manchmal einen Gedanken, und entraffe ihn an einem Punkt wieder, wie eine losschnellende Feder. Es gibt eine Komposition im Kopf. Wenn ich Pech hab, verirren sich Gedanken wie in einem Hamsterrad, ein – wartendes – Hamsterrad. Der Moment, in dem ich sie da raushole und entblättere, lang, wie eine sich entrollende Schnecke, tröt, wie ein Luftrüssel, ist dann eine Erleichterung. Ist auf jeden Fall auch in Veränderung begriffen. Eine Art Spaß.

Foto: 1971markus, Asturius