Unbenannt

Rahel, sie pflückt Krokusse für Leander

sind die nicht etwas kurz, ja ja, sie sind’s:

Doch ich knüpf die zusammen.

Zusammen knüpfe ich die zu einer Krone

Für deinen Kopf

es sind wilde ihrer, blau

Lila auch

Rahel wirkt noch ein grünes Band herum

das passe farblich so; sehr –

Sagt sie –

Leander, beschmückt, steckt sich eine an

Seine weißen Jeans, schmutzig geworden –

auf einem Baumstumpf

er zupft sein Hemd heraus, kraus,

über den Flecken.

Der Baumstumpf ist Rahels

sie hat ihn als Kind bekommen,

die Urgroßmutter gab es ihr

Ein kleines Stück, unweit des Hauses,

Mit Bäumen, vielen, dazu wilden Blumen und der Teich

rundrum Hecke

eine morsche Tür, die am alten Bahnwagen lehnte, neben dem Haus,

Schleppte sie allein rüber, zuckend und zurrend, nahm sie als Pforte,

ein Geheimgarten.

Rahels.

Rahels Geheimgarten.

Er war für sie wie sie

selbst.

Atmen,

Sitzen,

den Blumen lauschen,

Rauschen des Ichs,

heute verloren,

deswegen will Rahel eigentlich immer weg,

sie ist ja nicht da.

nur hier:

besieht sie die Krokuskrone, küsst Leander auf seinen Flecken

Unbenannt

die Pfingstrosen sehen aus wie Bonbonbomben

pink Geschwader

in diesem Moment hader

ich nicht

Mit den Dingen, die ich tu,

den ja vielen,

Die ich liebe

Die aber wie bedeutungslos erscheinen,

Und sich mittlerweile auch so anfühlen

bin auch nicht im Reinen

so kann ich auf nichts zugehen,

– ich nicht –

außer, auf Pfingstrosen

*

Ist es der Erwartungen?

auf Sprühregen, Wackelpudding (ich),

– oder, Person, aus der die Coolness quillt wie Vanigliacrem aus Liebesknochen

ich so oder so nicht

ich bin eine Ich mit kleinem i,

anderen nie

Unbenannt

Lieber Freund, was für ein Sommer! Ich denke Sie mir im Zimmer sitzend, mehr Omelette als Mensch.”

Friedrich Nietzsche
Veröffentlicht am
Kategorisiert in Zitat

Unbenannt

Es platzt Wicken aus mir,

ich steh da in Edelmut,

Auf einer alten Straße, mit Steinen gepflastert,

Die Luft trägt in sich Mut.

.

Vielleicht könnte ein Nebel da,

Disconebel,

sie freizulegen,

erstarren lassend sodann,

Sie für immer freigelegt zu haben,

la silhouette!

.

Komm, zu tanzen Lambada

wenn schon mal Nebel ist

Les silhouettes

und voll des Muh Muh Mutes

Ergebe ich mich dem Tag.

.

pastellig Schatten schwirren herum

.

das Schweigen wird weniger,

das Schweigen wird stumm.

.

wenn Wicken erquicken,

und dann Chaos,

farbig Watte, gebauscht,

Und

ineinander verwoben,

gehoben für Kraft,

die es eigentlich nicht braucht; Mut nur.

Schmidt

Heut war ich in dem Haus, in dem Arno Schmidt von 1958 bis 1979 lebte, bis zu seinem Tod, und ich bekam eine Führung einer Mitarbeiterin der Arno Schmidt Stiftung – die ich überaus gelungen fand.

Schmidt hat sich lange vor seiner Einschulung das Lesen und Schreiben beigebracht und hat dann zum Beispiel Karl May gelesen. Über diesen verfasste er später ein Werk, in dem er eine homoerotische Neigung des Schriftstellers annahm, er war der erste, der dies tat, so die Mitarbeiterin der Stiftung. Auch vertrat Schmidt die Auffassung, dass Teile des mayschen Spätwerkes literarische Relevanz haben.

Arno Schmidt wurde 1914 geboren, er war stark kurzsichtig, das fand man jedoch sehr spät heraus, jahrelang war der Vater für ihn nur ein undeutlicher Flecken, auch er selbst hatte von seiner Kurzsichtigkeit wahrscheinlich nichts gewusst. Arno Schmidt war sprachbegabt. Auch mathebegabt. Musste viel Broterwerbstätigkeiten annehmen, die ihn unterforderten, und er kannte es, in ärmsten Verhältnissen leben zu müssen. Als Jan Philipp Reemtsma begann, ihn zu fördern, stellte er ihn einem Nobelpreisträger gleich.

1946 setzte Arno Schmidt alles auf eine Karte und wurde Schriftsteller. In Bargfeld in der Heide hätte er Ruhe zum Schreiben gesucht, zu welchem es ihn sehr gedrängt haben mag und an das er geglaubt haben mag. Seine Urne im Garten unter einem Findling.

Als Reaktion auf Heidebrände baute er ein feuerfestes Archiv.

Die Mitarbeiterin der Arno Schmidt Stiftung machte mir einen Termin für ein befreundetes Antiquariat. Dort kaufte ich eine Ausgabe von “Rosen und Porree”, in der auch literaturtheoretische Betrachtungen sind neben Erzählungen wie “Seelandschaft mit Pocahontas”. Ich habe damit begonnen.

“wenn ein neues Buch erscheint, lies Dú ein altes”

Veröffentlicht am
Kategorisiert in Zitat