Unbenannt

Einige der Notizen.

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Was mich absolut erschreckt, ist der ungleichmäßige Charakter der Trauer.

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Trauer: keine Auslöschung, Blockade (die eine “Fülle” voraussetzen würde), sondern eine schmerzhafte Bereitschaft: Ich bin alarmiert, warte lauernd auf die Ankunft eines “Lebenssinns”.

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Meine Welt: dumpf. Nichts klingt darin wirklich nach – nichts nimmt darin Gestalt an.

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Eigentlich, letztlich, immer dies: wie wenn ich wie tot wäre.

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Ich leide an der Angst vor dem, was eingetreten ist.

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Ruhe des Wochenendes um den 15. August; während im Radio Der holzgeschnitze Prinz von Bartók gespielt wird, lese ich (in Bashōs großem Reisebericht, beim Besuch des Tempels von Kashino): “Wir blieben für ein langes Wochenende in äußerster Stille sitzen.”

Im Nu empfinde ich eine Art satori, mild, glücklich, als ob meine Trauer sich besänftigte, sublimierte, versöhnte, sich vertiefte, ohne sich aufzuheben – als ob “ich mich wiederfände”.

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Tagebuch der Trauer, ich habe die letzten Seiten überflogen, alles andere bis einschließlich Seite 203 hatte ich genau gelesen, und doch, steht halt überall dasselbe. Eigentlich sind es einige unterschiedliche Gedanken. Doch es ist immer sie, die mit darin ist, sie (und, in meinen Augen, nicht, dass sie nicht mehr ist) ist nicht nur Ursprung ihrer, sie darf vor allem auch jeden dieser Gedanken bewohnen und färben. Wenn auch nicht ändern. Ich kann auch nicht mehr schreiben. Das ist so. Ein Traum hatte es mir jüngst erklärt. Es ist so. Es gibt ein Hier. Das gibt es auch nur, weil ich nicht schreibe.

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Fast bin ich mit dem Buch durch und ich teile, dass es, wenn man in geschäftiger Umgebung ist, schlimmer ist. Es lauter ist. Andererseits, und so auch Barthes, wenn man Dinge des Alltags in Ruhe tut, kann man sich mit dem verschwundenen geliebten Wesen unterhalten. Also das empfand/ empfinde ich beides auch so. Man kann die Kraft, das Badehandtuch zu nehmen sich nehmen, das ist nur von mir, nicht Barthes, und man kann sich, sich dann abtrocknend, unterhalten eben, so auch Barthes.

“Ich will nur noch Reisen machen, bei denen ich nicht die Zeit habe zu sagen: Ich will zurück!

Roland Barthes, wenn er reiste, freute sich immer darauf, zu seiner Mutter zurückzukehren. Auch allein die kleine Freiheit, zu reisen, spürte er nur in Bezug zu seiner dagebliebenen Mutter.

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Von mir vor ein paar Tagen gezeichnete Bilder:

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Barthes: “FW ist von qualvoller Liebe zerstört, er leidet, ist ständig niedergeschlagen, bedürftig, an allem desinteressiert etc. Dabei hat er niemanden verloren; der Mensch, den er liebt, lebt etc. Und ich neben ihm, ich höre ihm zu, mache einen ruhigen Eindruck, bin aufmerksam, präsent, als wäre mir nicht etwas unendlich viel Ernsteres geschehen.”

Barthes jetzt zu lesen ist wirklich schön. Es ist, als lebte ich zwischen den Seiten. Meinem einzigen übrig gebliebenen Ort.

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Vielleicht kann ich mein Blog mit einigem Wenigen wieder bedenken. Barthes, ich habe mir heute “Tagebuch der Trauer” genommen. Die anderen Bücher sind immer noch nicht da. Außer “Über mich selbst”, aber da hab ich eine Sperre. Das neue Clarkalbum ist noch gar nicht ganz durchgehört. Mir ging es nicht gut und es war genau das Falsche. Aber das mache ich heute. Was ich so hörte bisher, habe ich total schön gefunden. Trotzdem macht es mir eher Unmut. Ich bin seit ich mich kenne in keiner Veränderung begriffen. Ich hab auch erstmals keine WAVs, nur die LP, das macht es nicht einfacher. 😉

Blume der Erkenntnis, scharlachrot

Türkisen die Wand,

an der die rote Blume raunend steht

und sie spricht:

es ist nicht nicht

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Ich kämm mein Haar

mit der Paddelbürste

Kühle die wundenen Füße mit Spray

denk an Kohlen

im März

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Da ist Sonne auf deinem Gesicht

sie ist gleißend

Die gelbe Katze dehnt sich

und kippt dabei fast um

Sie, die gleich einer Schnecke war,

sich nun entblättert

die Discokugel

Silbern das Oval

ich darunter,

eine Kugel mit viel Haar,

die da heißt Rondo, und die das Vibrieren anfängt

Um mit der tiefsten Stimme, die sie vorfindet,

Zu singen

all I want to do is rock,

Cover von Travis, singe ich,

die Discokugel

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Gedicht 31, Überarbeitung

Manchmal habe ich das Gefühl, dass es keine Entscheidungen geben sollte. Es liegt alles schon vor, man muss es nur sehen. Und in dem Gedicht 31 hatte ich auch anfänglich “Gefühl” gemeint, nicht “Entscheidungen”. Doch das klang nicht und dann nahm ich was vermeintlich nahes.

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immer schwirren

doch unirr

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in der Empfindung

Milde,

stabil,

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neon-roter Kreis

zeigt Klarheit

Kolorit der Luft

blassrosa und –

mal ohne Mehlstaubexplosion

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beiges Bewegen –

des Geistes,

Des Bauches

ja, eine Mitte