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Was lese ich nun? Mehr Barthes. „Das Neutrum“! Ich bestelle es morgen im Buchladen. Ich hatte an „Über mich selbst“ gedacht, zumal ich eine neuere Ausgabe hier habe, deren Einband ich jedoch furchtbar finde, weshalb ich gerade schonmal eine sehr gut erhaltene Erstausgabe von diesem Buch bei Matthes & Seitz (mit viel schönerem Cover) aus 1978 in einem Antiquariat bestellte. Ich habe nun kurz überlegt, ein Foto mir auszuschneiden aus der Ausgabe, die hier liegt. Doch ich finde es schöner, wenn diese Gedanken einzig in meinem Kopf sind. Eine alte Grille von mir. Dass ich Sachen, die ich liebe, in meinem Kopf möchte, vorrangig dort. Das hatte ich vergessen, bis heute, bis zu der Ausgabe von „Über mich selbst“, die ich nun über habe. Das ist gerade schön. Wieso habe ich das vergessen?

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Das ist der perfekte Nachmittag, Die Vorbereitung des Romans zu beenden. In meine Stube scheint die Sonne, ich nasche Apfelchips, trinke kühlschrankkalten ChariTea mate und habe so noch die Fotos angesehen (und die letzten Zeilen gelesen). Ich wurde darin traurig.

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Das Buch ist durch. Von der Seite – sieht es aus, wie vor dem Lesen, einer so Durchwirkung des Einbandes wegen. Das Seminar zum Ende fehlt noch, Proust und die Fotografie. Das lasse ich mir noch. Ich hätte noch zwei Gedanken, die ich hier dazutun würde wollen, doch ich – freu mich gerad nur: Vielleicht ein andernmal.

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„Als ob nichts dabei wäre, mache ich Notizen für meinen Heiligen Antonius, den ich, wenn er fertig ist, nicht zu veröffentlichen gedenke, woraus folgt, daß ich in völliger geistiger Freiheit arbeite“ , Flaubert. Laut Barthes: Der Heilige Antonius, im Juni 1872 beendet, erscheint im April 1874. Nun, wäre ich Flaubert gewesen, hätte ich das nicht noch einmal nutzen können, da ich mir nicht mehr getraut hätte. Und es war ein extrem mächtiger Trick! Hervorhebung im Zitat von Flaubert: Barthes.

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Barthes: „Werde ich die Zeit haben, seine [des Projekts] vorgesehene Form zu verwirklichen, ehe ich mich verändere? […] Daher die Ungeduld, das Werk zu beenden, kaum daß man es begonnen hat: Vorsichtsmaßregel gegen sich selbst.“ Hab ich immer! Und auch den Gedanken, welchen auch Barthes formuliert: „Es sei denn, man nimmt in den Plan des Werkes die Veränderlichkeit des Subjekts und die Veränderung der Parameter des Werkes selbst auf; in der klassischen Literatur geschieht das jedoch sehr selten; die einzige Form, die zur ,Parametrie‘ des Subjekts berechtigt, ist das TAGEBUCH, das ALBUM, doch nicht das BUCH.“ Ich hab die Hoffnung da noch nicht verloren.

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„Vielleicht besteht Schreiben darin, nicht schneller zu denken, als die Hand folgen kann, das Verhältnis beider zu meistern […]“, Barthes, Die Vorbereitung des Romans. Bei mir war es, obwohl ich bald lernte, schnell zu schreiben, immer ein Verhältnis. Dem ich irgendwann die Illusion eines Gusses gab, indem ich bestimmte Gedanken wie Musik immer wieder erneut dachte oder auch – und oft – einfror, kurz innehalten ließ, nur um es dann wieder losschnellen zu lassen, während die Hand noch das vorherig Gedachte schrieb. Oft gibt es dann so Zwei- oder Mehrreiher, an Gedanken, die teils gerade geschrieben, teils nur gedacht werden, die ich irgendwie schön finde, und die ich bildlich vor mir sehe, als hätte ich sie im Kopf bereits getippt. Alles gut somit. Ach, und es gibt Raffungen. Ich raffe manchmal einen Gedanken, und entraffe ihn an einem Punkt wieder, wie eine losschnellende Feder. Es gibt eine Komposition im Kopf. Wenn ich Pech hab, verirren sich Gedanken wie in einem Hamsterrad, ein – wartendes – Hamsterrad. Der Moment, in dem ich sie da raushole und entblättere, lang, wie eine sich entrollende Schnecke, tröt, wie ein Luftrüssel, ist dann eine Erleichterung. Ist auf jeden Fall auch in Veränderung begriffen. Eine Art Spaß.

Foto: 1971markus, Asturius

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Betrachtungen zu Barthes, und weiter, und gerade las ich, er schrieb am Tag. Das ist irgendwie keine Überraschung für mich. Bei mir, ich warte auf ein Drängen. Und brauche eine genügend lange Zeitspanne dann. Und, sobald das Drängen verspürt, der Plan, zu schreiben, gleichsam formuliert ist, beginne ich. Gerade einen Kaffee kann ich noch kochen. Den ich vergesse, zu trinken. Mehr nie. Ob tags. Oder in der Nacht.