Werdendes Leben

Barthes: “… so bin ich mehr als erstaunt, ich reagiere verständnislos; mir ist unbegreiflich, wofür sonst sie ihre Zeit verwenden [statt zu schreiben, mindestens doch nach der Zeit, die ihr Beruf benötigte], welcher Zeit sie statt dessen sich zuwenden können. Diese Dunkelheit ist das Indiz für eine Manie; für mich wäre der Gegensatz zum Schreiben nichts bloß Banales: ich kann darin nur eine PHILOSOPHIE erkennen…”

Und weiter in “Die Vorbereitung des Romans”: “Was für ein verdammtes Metier! Welch verfluchte Manie! Und doch sollten wir sie segnen, diese teure Qual. Ohne sie müßte man sterben. Das Leben ist nur unter der Bedingung zu ertragen, daß man nicht daran teilnimmt”, Flaubert. Barthes: “BEGEHREN ZU SCHREIBEN funktioniert wie eine soziale Ausgrenzung, eine Absonderung”. Flaubert: “Ich schreibe für mich, für mich allein, so wie ich rauche und wie ich schlafe.” Barthes: “Jedes Manuskript ist langweilig, weil es ein massiver Block reinen BEGEHRENS ist – sei es von Dante oder Alexandre Dumas –, und nur mit diesem Massiv, diesem Paket von Begehren, das man mir vorsetzt, habe ich zu tun.” Erträglich, so Barthes, könne das erst sein, wenn es publiziert ist.

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