Schmidt

Heut war ich in dem Haus, in dem Arno Schmidt von 1958 bis 1979 lebte, bis zu seinem Tod, und ich bekam eine Führung einer Mitarbeiterin der Arno Schmidt Stiftung – die ich überaus gelungen fand.

Schmidt hat sich lange vor seiner Einschulung das Lesen und Schreiben beigebracht und hat dann zum Beispiel Karl May gelesen. Über diesen verfasste er später ein Werk, in dem er eine homoerotische Neigung des Schriftstellers annahm, er war der erste, der dies tat, so die Mitarbeiterin der Stiftung. Auch vertrat Schmidt die Auffassung, dass Teile des mayschen Spätwerkes literarische Relevanz haben.

Arno Schmidt wurde 1914 geboren, er war stark kurzsichtig, das fand man jedoch sehr spät heraus, jahrelang war der Vater für ihn nur ein undeutlicher Flecken, auch er selbst hatte von seiner Kurzsichtigkeit wahrscheinlich nichts gewusst. Arno Schmidt war sprachbegabt. Auch mathebegabt. Musste viel Broterwerbstätigkeiten annehmen, die ihn unterforderten, und er kannte es, in ärmsten Verhältnissen leben zu müssen. Als Jan Philipp Reemtsma begann, ihn zu fördern, stellte er ihn einem Nobelpreisträger gleich.

1946 setzte Arno Schmidt alles auf eine Karte und wurde Schriftsteller. In Bargfeld in der Heide hätte er Ruhe zum Schreiben gesucht, zu welchem es ihn sehr gedrängt haben mag und an das er geglaubt haben mag. Seine Urne im Garten unter einem Findling.

Als Reaktion auf Heidebrände baute er ein feuerfestes Archiv.

Die Mitarbeiterin der Arno Schmidt Stiftung machte mir einen Termin für ein befreundetes Antiquariat. Dort kaufte ich eine Ausgabe von „Rosen und Porree“, in der auch literaturtheoretische Betrachtungen sind neben Erzählungen wie „Seelandschaft mit Pocahontas“. Ich habe damit begonnen.

„wenn ein neues Buch erscheint, lies Dú ein altes“

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Unbenannt

„Gewiss kann die Welt (das NOTIERBARE, notandum) bis ins Unendliche zerlegt werden (die Physiker tun es) – zumindest stoße ich auf keine andere Begrenzung als die der Wörter; und doch: Indem ich Wörter kombiniere (syntagmatische Produktion), kann ich bis zu den Mücken hinabsteigen -> folglich hat das Innehalten bei der Notation etwas Willkürliches -> Die Sprache legt der Natur ihr Gesetz auf […] So könnte die Definition der Poesie lauten: Letztlich wäre sie die Sprache des Realen, insoweit es nicht weiter teilbar ist oder an seiner weiteren Zerlegung nicht interessiert ist -> Paradox?“ -Barthes, Die Vorbereitung des Romans

Find ich romantisch. Die Unendlichkeit würde begrenzt sein durch das Wort. Die Kombination von Wörtern hingegen könne (wieder?) eine Unendlichkeit schaffen. Und einzig eine Unendlichkeit erschaffen? Denn die gedachte Unendlichkeit wäre ja begrenzt durch das Wort, psychologisch gesehen diesmal, wir können nur begreifen, was wir in Worte fassen können. Die Sprache kann einmal sein ein Wort, einmal die Kombination von Wörtern. Die Sprache legt der Natur ihr Gesetz auf, ein Wort. Die Poesie die Sprache wiederum des Realen, Kombination von Wörtern. Die Sprache des Realen, und unsere Sprache, dasselbe? Die Unendlichkeit und unteilbar. Und die Notation wäre willkürlich, doch die Welt kann einzig notierbar begriffen werden?! Gibt es Wörter, die unnotiert existieren? Wäre das psychologisch möglich und wäre das nicht ziemlich unromantisch, und sieht das auch Barthes so, der in „Die Vorbereitung des Romans“ dem Schreibenwollen eine so hohe Wichtigkeit einräumt?! Sind wir, was wir wollen vielleicht sogar?

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Unbenannt

Mein schönstes Gedicht? Ich schrieb es nicht. Aus tiefsten Tiefen stieg es. Ich schwieg es.

Mascha Kaléko
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Wir sind nichts; was wir suchen, ist alles.

Friedrich Hölderlin
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Salz

Für mich müssen Photographien von Landschaften (urbanen oder ländlichen) bewohnbar sein, nicht bereisbar.

Roland Barthes, „Die helle Kammer. Bemerkungen zur Photographie“
Charles Clifford, Alhambra, Granada, um 1858. „Dort würde ich gern leben …“ – Barthes.
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